Porträt: Manchester United


Er ist wieder in aller Munde. Polarisiert wie kein Zweiter. Der FC Bayern sorgt derzeit mit seinen glanzvollen Auftritten unter Pep Guardiola für reichlich Gesprächsstoff in der Fußballwelt. Ist der deutsche Rekordmeister international schon das Maß der Dinge? Gehören die Münchner schon weltweit zur Elite im Fußball? Gibt es im Weltfußball keine Vereine mehr, die dem Triplesieger von 2013 die Stirn bieten können? Nebenbei meldet sich auch der Vereinspräsident zu Wort mit seinen Steuerskandalen.

Doch von den englischen Topklubs spricht angesichts der Debatte niemand. Einer von diesen legendären Vereine heißt Manchester United.

Manchester United ist Geschichte…

Die Eisenbahnarbeiter, die den Club unter dem Namen Newton Heath L & Y Railway Football Club am 1 März 1878 aus der Taufe hoben, ahnten damals wohl kaum, zu welchem Ruhm es die „Red Devils“ einmal bringen würden. 150 000 Mitglieder, ein altehrwürdiges Stadion namens Old Trafford mit rund 76000 Plätzen, eine Mannschaft, die Dauergast auf dem internationalen Fußballparkett ist, jährliche Rekordeinnahmen von 500 Millionen Dollar. Die Statistik liest sich wie ein 135-jähriges Sommermärchen. Doch ohne einen John Henry Davies wäre es vermutlich nie soweit gekommen. Wenn er nicht 1902 den Verein vor dem drohenden Konkurs gerettet hätte, hätte heute niemand mehr den Newton Heath F.C. auf den Zettel. Ihm haben wir es auch zu verdanken, dass jedem Fußballfan der Name Manchester United (eingeführt nach dem abgewendeten Konkurs) geläufig ist. Und die Spieler nicht mehr im goldig- grünen, sondern den heute typischen rot-weißen Trikot auflaufen.

Premier League noch weit weg

Die erste Starthilfe war gegeben. Fußballerische Glanzpunkte konnte der Verein (bis auf die ersten Meistertitel 1908 und 1911) in den 20er und 30er Jahren jedoch noch nicht setzen. Stattdessen tümpelte er irgendwo im Nirvana der Second Divison herum. Ein Abstieg in die dritte Liga konnte nur mit aller Mühe noch verhindert werden.
Trauriger Höhepunkt der Vereinsgeschichte war unbestritten der Flugzeugabsturz der British-European Airway Flug 609 Maschine, bei dem fast die Hälfte der damaligen talentierten Nachwuchsmannschaft verunglückte (8 Tote, 2 verletzte Spieler vor den Trümmern ihrer Karriere).

Vom tiefen Fall in neue ungeahnte Höhen

Betroffen davon war auch die damalige Trainerlegende Matt Busby. Als Fußballlehrer 1945 nach dem zweiten Weltkrieg angetreten, schaffte er es innerhalb kürzester Zeit eine Aufbruchsstimmung bei den Spielern und den Anhängern zu erzeugen. Aufgrund der Zerstörungen durch die Bombenangriffe wurden die Spiele kurzerhand in Manchester City ausgetragen. Der Zuspruch war den „Busby Babes“- wie sie die Bevölkerung liebevoll nannte- sicher.
Wer sich heutzutage den Kopf zerbricht, ob Borussia Dortmund oder Bayern München das schnelle Offensivspiel und das taktisch schnelle Umswitchen mit jungen Ausnahmetalenten populär gemacht hat, hat noch kein Spiel von Manchester United gesehen. Unter der fast 25 jährigen Regentschaft von Busby stürmten legendäre Spieler wie Duncan Edwards; Bobby Charlton; Goerge Best oder Denis Law immer in Richtung Tor.

Queen Elisabeth: Daumen hoch für Manchester

Selbst die Queen hat schon Gefallen gefunden, am Spiel von Manchester. 1999 schlug sie den von 1986- 2013 amtierenden Trainer Alex Ferguson zum Ritter, nachdem er mit der Mannschaft das Triple geholt hat.
Die heutigen Erfolgsgaranten (Wayne Rooney; David Beckham; Ryan Giggs usw.) klingen dabei noch genauso nach wie die vielen Erfolge & Titel, die Manchester bislang feiern durfte:

•20 engl. Meistertitel
•11 FA-Cup Siege
•4 Ligapokal Siege
•1x Clubweltmeister
•1x Weltpokalsieger
•3x Champions League Sieger
•1x Europapokalsieger der Pokalsieger
•1x Europäischer Supercupsieger
Fan(tastisch) in ManU?

Die Obrigkeit von England hatte ihren Spaß am Spiel. Und die Fans?
Die Basis des Vereins brachte ihre Bewunderung stets mit ekstatischen Fangesängen, und Schlachtrufen zum Ausdruck. Über Jahrzehnte hinweg gehörten die mitreißende Stimmung der euphorischen und zu 100% loyalen Fans zum Traditionsverein hinzu. Nach der Hillisborough Katastrophe (Massenpanik im überfüllten Stadion) im Jahr 1989 änderte sich dies jedoch schlagartig. England beschloss die Stehplätze abzuschaffen.
Höhere Ticketpreise forderten ihren Tribut. Ein erster Schlag ins Gesicht für die treuen Fans.
Weitere sollten 1998 folgen, als die Übernahme von Manchester durch den Investor Rudolf Murdoch im Gespräch war. Der Clou scheiterte. Doch die Anhängerschaft des Traditionsvereins hatte den Sinneswandel der sportlichen Leitung längst verstanden. Hierzulande dank der 50+1 Regel (keine Stimmenmehrheit durch Kapitalanleger möglich) undenkbar, geschah 2005 in Manchester das Unvermeidliche. Der amerikanische Multimillionär Malcom Glazer übernahm den Club und formte ihn zum gewinnorientierten Sportunternehmen.
Grund genug für die eigenwilligen Fans mit einer eigenen Vereinsgründung (FC Manchester United) zu protestieren. Mit nur 2800 Mitgliedern und einem siebtligatauglichen Kader zwar nur amateurreif. Doch die Fans haben somit ihre Identität niemals aufgegeben.

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Blick ins Old Trafford Stadion: Manchester United Photo by Xavoun (Creative Commons)

Blick ins Old Trafford Stadion: Manchester United
Photo by Xavoun (Creative Commons)

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